Die Besiedlung der Moore an den Flüssen Hamme, Wörpe, Oste und Schwinge ist ein Projekt der inneren Kolonisation im 18. Jahrhundert, wie es in vielen Ländern durchgeführt wurde. Die Rentkammer in Hannover als Regierung von König Georg III., der in Personalunion Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg und König von England war, wollte geordnete Verhältnisse im Moor schaffen und gab Gutachten zur Nutzung der Moore in Auftrag. Nachdem diese positiv ausgefallen waren, wurden die Moore vermessen.
Diese Aufgabe war 1749 erledigt. Am 20. Dezember 1749 wurden die Amtmänner Meyer (Bremervörde) und Meiners (Osterholz) mit der Besiedlung der Moore beauftragt. Die ersten Dörfer wurden 1762 in Neu St. Jürgen und Wörpedorf angelegt.
Den Siedlern wurden abgesteckte Anbaustellen zugewiesen. Alles, was sie zum Leben brauchten, mußten sie auf ihren Schultern mitbringen. Ihr erstes Quartier war sehr notdürftig. Dann bauten sie sich Katen. Die ersten Häuser entstanden erst Jahre später.
Die Findorff-Region
Die Besiedelung

Jürgen Christian Findorff (1720 –1792) tritt 1760 bei der Besiedlung von Ostersode zum ersten Mal in Erscheinung. Schon zu seinen Lebzeiten hat die besiedelte Fläche in den Mooren ihre volle Ausdehnung erreicht. Innerhalb von 40 Jahren entstanden 47 neue Dörfer. Nach Findorffs Tod wurden z. T. nach seinen Planungen noch weitere Siedlungen gebaut. So entstand das größte besiedelte Moorgebiet in Deutschland. Von 1752 bis 1824 konnten rund 66.000 Morgen (165 qkm) für die Besiedlung ausgewiesen werden. Dabei enstanden 56 Dörfer. Auf 1373 Stellen lebten 1824 gut 8000 Menschen.
Die Besiedlung der Moore ist zwar in Planung und Konzept eine staatliche Angelegenheit gewesen, aber die praktische Durchführung lag in den Händen von Jürgen Christian Findorff, der 1771 zum Moorkommissar ernannt wurde. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz auch im Sinne der Siedler wäre die Besiedlung unter den sehr kärglichen Bedingungen wahrscheinlich gescheitert.
Struktur der Findorff-Siedlungen
Die Findorff-Siedlungen in den kultivierten Moorgebieten nordwestlich von Bremen zeigen eine unverwechselbare Siedlungsstruktur, die auch heute noch nachvollziehen lässt, wie einst die Naturlandschaft zur Kulturlandschaft umgestaltet wurde.
Vor allem sind es die schnurgeraden Straßen zwischen den Dörfern im Moor und denen auf der Geest, die Straßendämme durch die vielen Moordörfer und die ebenfalls schnurgeraden Schiffgräben und Birkenreihen, die diese Straßendämme begleiten.
Aufgereiht an Damm und Kanal liegen tief die abgetorften Weideflächen, ihnen gegenüber auf der anderen Straßenseite die höher liegenden Bauernhöfe. Die Landschaft ist aufgeteilt in lauter schmale Streifen und Bänder, die wiederum von unzähligen Furchen (Gräben, Grüppen) und Entwässerungsrinnen (Kanälen) durchzogen sind.
Dabei sind Hofstellen und Vorweiden jeweils in gleichen Abständen durch Gräben, die im rechten Winkel auf den Schiffgraben und auf den Straßendamm stoßen, abgeteilt vom nächsten Hof und von der nächsten Weide.
Das historische Gesicht der Landschaft ist geprägt durch ein weit verzweigtes Netz von kleineren und größeren Gräben und Kanälen, die das Wasser zu den Bächen, Beeken und zu den Flüssen Wörpe, Wümme, Hamme und Oste leiten.

Gräben und Kanäle
Die Findorff-Siedlung ist ein Breitstreifen-Reihendorf mit Hofanschluss (Hufendorf) und ergab sich mehr oder weniger zwangsläufig aus der Technik, Land für Siedlungszwecke zu vermessen. Im Idealfall war die Siedlung so angelegt, dass die Häuser am Rande des Hochmoores auf dem Trockenen standen und die Hufen über Gräben in den Kanal entwässert wurden, der in einen Bach mündete. An diesem lagen dann auch die Vorweiden für das Vieh. Im Gegensatz zu den Fehnsiedlungen, die an den zuvor gegrabenen schiffbaren Kanälen und abgetorften Flächen gebaut wurden, entstanden die Findorff-Siedlungen in den Hochmooren, die in „heiler Haut“ dalagen.

Unter Anleitung mussten die Siedler die Abzugsgräben in die Vorfluter (Bäche und Flüsse) und die Grenzgräben selber ausstechen. Da die Abzugsgräben erst Schritt für Schritt auf die notwendige Breite und Tiefe gebracht werden konnten, mussten die Ansiedler das Baumaterial für ihre Hütten und Häuser auf dem Rücken ins Moor bringen. Nicht einmal für Schubkarren war das Moor befahrbar. Darum konnten zunächst auch nur recht primitive Katen errichtet werden. Erst später war auf den Gräben Torfkahnschifffahrt möglich.
Die Siedlungen heute
Auch mehr als 275 Jahre nach Ihrer Gründung kann man in vielen Findorff-Siedlungen bis heute die ursprüngliche Struktur und Anordnung der Hofstellen vorfinden. Wir stellen hier exemplarisch einige Siedlungen vor.






